Kasteeel Amerongen und seine starken Frauen

Kasteel Amerongen
Kasteel Amerongen

Man schreibt das Jahr 1918 und nachdem langsam klar ist, dass der Krieg wohl verloren wird, zeichnen sich Veränderungen in Berlin ab. Als Folge der politischen Reformen muss Kaiser Wilhelm II., den man für die Niederlage verantwortlich macht, das Land verlassen und es ist nicht so einfach, ein Asyl für ihn zu finden.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Spa, Belgien, kommt er im Oktober 1918 in den Niederlanden an. Die Regierung erlaubt ihm zu bleiben und quartiert ihn vorläufig in Kasteel Amerongen ein. Eigentlich nur für 3 Tage, aber am Ende bleibt er hier für 1,5 Jahre, bis das in der Nähe gelegene Huis Doorn nach seinen Wünschen umgebaut wurde.

Ein Kaiser zu Gast

In der Zwischenzeit machte er der jungen Schlossherrin das Leben schwer, nachdem der ganze Haushalt auf ihn ausgerichtet werden musste und er beispielsweise jeden Abend mit stundenlangen Vorträgen füllte, in denen er erläutert, warum er nicht für den 1. Weltkrieg und seine Folgen verantwortlich gemacht werden will.

Elisabeth heiratete den Adjudanten des Kaisers
Elisabeth heiratete den Adjudanten des Kaisers

Trotzdem – es gibt auch ein Happy End. Die junge Schlossherin Elisabeth van Aldenburg-Bentinck verliebte sich in den Adjutanten des Kaisers und hatte mit ihm 3 Kinder.

Aber von vorne!

Kasteel Amerongen wurde bereits 1286 erbaut. die heutige Anlage geht auf das Jahr 1672 zurück und zählt zu den hundert wichtigsten Rijksmonumenten der Niederlande.

Schloss Amerongen ist ein Wasserschloss, das von einem wunderschönen Park umgeben ist. In den ehemaligen Stallungen befindet sich heute ein Restaurant, von dessen Terrasse aus man einen tollen Blick auf das Schloss hat.

Im Kasteel kann man ein wunderbares Interieur bewundern, mit alten Möbeln, Gemälden und Dekorationsstücken.

Und nicht nur, dass der deutsche Kaiser im Kasteel seine Abdankungsunterlage unterzeichnete ist von Bedeutung, bemerkenswert ist auch, dass im Laufe der Jahrhunderte oft Frauen eine wichtige Rolle spielten – obwohl das zu den damaligen Zeiten keineswegs üblich war.

Frauen prägen das Bild von Kasteel Amerongen

Viele Ausstellungsstücke erzählen vom Leben dieser Frauen. So sind beispielsweise fast 500 Briefe erhalten, die Margaretha Turnor an ihren Ehegatten geschrieben hat. Im Jahr 1673 wurde das Kasteel durch die Truppen von Ludwig IX. niedergebrannt und zerstört.

Margaretha, deren Mann aufgrund der politischen Wirrnisse nicht bei ihr leben konnte, beschreibt ausführlich, wie das Anwesen wieder aufgebaut wird und ein barockes Wasserschloss entsteht.

Eine weitere Grande Dame war Henriette van Nassau-Zuylestein, die dem Haus im 18. Jahrhundert ihre perönsliche Note verlieh. Sie erwarb kostbare Service und exklusive Möbelstücke und ihr ist auch die wunderbare Deckenmalerei m großen Empfangssaal zu verdanken. Er stellt das Prachtstück im Schloss dar und nimmt im oberen Stockwerk einen beachtlichen Teil der Grundfläche ein.

Er ist dekoriert mit vielen Gemälden, Möbelstücken und – einer Büste des deutschen Kaisers.

Ganz wichtig: die Haushälterin
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Die Haushälterin Frau Doorslag

Und ganz bemerkenswert in dieser Periode: Die Dame des Hauses wurde von einer Haushälterin unterstützt, die offenbar so geschätzt wurde, dass man sogar ein eigenes Porträt von Frau Doorslag malen liess.

Die nächste Herrin war Anna Elisabeth van Tyll und sie liebte die Literatur. Unter ihrer Ägide wurde die Bibliothek eingerichtet und mit kostbaren Büchern bestückt. Auch Musik war eine ihrer Leidenschaften und sie ist auch für die Einrichtung des Musiksaals verantwortlich. Und weil die Kosten langsam ins Uferlose stiegen, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts ein Haushaltsbuch angeschafft, das heute noch in der Ausstellung zu sehen.

Die schwierige Zeit des 1. Weltkrieges und der bedeutende Gast

Zu Zeiten des ersten Weltkrieges übernahm mehr und mehr die bereits erwähnte Elisabeth van Aldenburg-Bentinck das Regime und war dann auch gezwungen, sich mit dem deutschen Kaiser auseinander zu setzen.

Sie setzte sich ihr ganzes Leben für Tiere ein und gründete das erste Tierheim in der Umgebung und organisierte die erste Tierambulanz. Noch heute kann man die Gräber ihrer Tiere im Schlosspark finden.

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Das Restaurant in den ehemaligen Stallungen

Gerade der Park ist auch ein absolutes Highlight, bei einem Besuch des Schlosses.

Man kann hier in den verschiedenen Bereichen 400 Jahre Gartengeschichte in allen Jahreszeiten bewundern.

Eine Stiftung erhält Schloss und Park

Seit 1977 kümmert sich eine Stiftung um den erhalt von Schloss und Park und vorallem um die kostbaren Sammlungen. An der reichen Ausstattung des Schlosses hat sich nichts verändert und man kann hier wunderbar davon träumen, wie die adligen Familien in den letzten 300 Jahren hier gelebt haben.

Wer mehr Informationen erhalten möchte findet sie hier, auf der deutschen Webseite

Huis Doorn - die ehemalige Kaiserresidenz
Huis Doorn – die ehemalige Kaiserresidenz

Nicht weit von Kasteel Amerogen entfernt, liegt die Kaiserresidenz Huis Doorn. Beide Anwesen befinden sich im Nationalpark Utrechtse Heuvelrug, den man wunderbar per Fahrrad erkunden kann.

Wer das möchte kann sich dafür im Hotel Bergse Bossen in Driebergen ein Rad leihen. Und man bekommt hier auch ein Besucherpaket, das zum Beispiel die Eintrittskosten in die beiden Herrenhäuser, einen Lunch und einen Tee in der Orangerie von Huis Doorn umfasst.

Das beste Dinner ever

Und für diejenigen die Gegend nach einem Tag noch nicht verlassen wollen: Ganz in der Nähe gibt es das Schloss Kerckebosch in Zeist. Ein wunderbares Gebäude mit einer beachtlichen Kunstsammlung und einem Restaurant, in dem wir das beste Dinner unseres Lebens bekommen haben. Darüber berichten wir in Kürze.

Zur Webseite des Hotels Kerckebosch

In der Nähe von Kasteel Amerongen liegt der Paleis Het Loo. Hier geht es zu unserem Blogbeitrag

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