Modetrends im Viktorianischen Zeitalter

Queen Victoria in einer typischen Robe des 19. Jahrhunderts
Königin Victoria im Jahr 1861. Fotografiert von C.Clifford. Foto: Wikimedia Commons

Vor kurzem haben wir hier im Blog Königin Victoria vorgestellt. Nach der englischen Königin, die von 1819 bis 1901 gelebt hat, wurde eine ganze Ära benannt: das Viktorianische Zeitalter. Es war die Blütezeit des britischen Empires. Für uns als Modebegeisterte ist natürlich interessant, was die Frauen in dieser Zeit getragen haben. Wie sahen also die Modetrends im Viktorianischen Zeitalter aus?

Das 19. Jahrhundert war von Modetrends geprägt, die Kleider hervorbrachten, die sehr unbequem waren. Aber es gab auch sehr viele interessante Entwicklungen und Neuerungen.

Die industrielle Revolution

Ganz neu war zu dieser Zeit zum Beispiel die Massenproduktion – auch der von Kleidung. Was zuvor die Schneider in Maßarbeit angefertigt haben, wird jetzt von Näherinnen in Fabriken gefertigt.

Dadurch konnten sich neue Modetrends im viktorianischen Zeitalter schneller verbreiten, neue Kollektionen konnten wesentlich günstiger produziert werden. Sie erreichten damit auch breitere Bevölkerungsschichten, vor allem die Mittelschicht. Eine sehr spannende Zeit also.

Natürlich hatte die Produktion auch Einfluss auf den Verkauf und so entstanden die ersten Kaufhäuser.

Viele gesellschaftliche Veränderungen

Unbequem zu tragen: Korsett und schwere Unterröcke
Ein Blick unter das Kleid: ein enges Korsett und weit ausgestellte Röcke. Wikimedia Commons

Vor dem Viktorianischen Zeitalter arbeiteten Frauen vor allem Zuhause. Durch die Neuerungen der industriellen Revolution änderte sich das dramatisch. Frauen wurden in den Fabriken als Arbeitskräfte gebraucht und verließen den häuslichen Herd. Natürlich hatte das Auswirkungen auf die Gesellschaft der damaligen Zeit. Frauen wurden selbstbewusster und unabhängiger – und drückten das auch durch die Kleidung aus, die sie trugen.

Eine Auswahl an Korsetts aus dem Modemuseum Ludwigsburg
Korsetts aus dem Modemuseum Ludwigsburg

Diese Entwicklung hatte aber auch Grenzen, da sich Frauen immer noch entsprechend ihrer sozialen Stellung kleiden mussten. Die Damen der Oberschicht hatten natürlich auch ganz andere Budgets zur Verfügung. Sie trugen opulente Roben und betonten eine schmale Taille mit Korsetts und ihre Kurven mit weiten Petticoats.

Die mehrlagigen Petticoats wurden oft aus Pferdehaar hergestellt und wogen mehrere Kilos. Die Kleider waren also nicht gerade bequem, aber dafür üppig mit Spitze und Schleifen verziert. Die Garderobe war Ausdruck des Reichtums der Trägerin.

Ein Ausschnitt kommt in Mode

Porträt von Franz Winterhalter: Sissi
Auch Sissi trug den modernen Ausschnitt, in einem Winterhalter-Porträt, 1865. Wikimedia Commons

Sehr beliebt um das Jahr 1850 waren Roben mit einem sogenannten Bertha-Ausschnitt. Sie zeigten für die damalige Zeit relativ viel Haut, da die Kleider mit diesem Ausschnitt die Schultern der Damen frei ließen. Damit man nicht zu viel preisgab, verzierte ein Rand aus Spitze die prächtigen Roben.

Ein wunderbares Kleid mit dem populären Ausschnitt trägt Kaiserin Sissi in einem Porträt von Franz Winterhalter. Auch über Sissi gibt es einen Beitrag in unserem Blog.

Diese Art Kleider durften allerdings nur Damen der Mittel- und der Oberschicht tragen. Vertreterinnen der Arbeiterklasse war es nicht erlaubt, zu viel nackte Haut zu zeigen und sie hätten sich die opulenten Roben sowieso nicht leisten können.

Um das Dekolleté verhüllen zu können, kamen exklusive Schals in Mode – oft aus Seide aus den Kolonien – und es gab verschiedene Korsett-Varianten. Ein Modell für den Tag und eine schulterfreie Variante, die das Dekolleté freigab, für den Abend.

Korsetts waren im 19. Jahrhundert in den oberen Kreisen noch ein Must-Have, da sie die schmale Taille betonten. Zum Schönheitsideal gehörten auch schmale Arme. Entsprechend wurden die Ärmel der Tageskleider schmal geschnitten. Leider schränkten sie die Bewegungsfreiheit extrem ein und waren wie die Korsetts nicht angenehm zu tragen.

Schleppen und „Wattehintern“ – Modetrends im Viktorianischen Zeitalter

Modetrend Ende des 19. Jahrhunderts: der Wattehintern
Das Unterkleid mit „Wattehinter“. Foto: Wikimedia Commons

Allerdings setzte sich Farbe mehr und mehr bei der Garderobe durch – die Roben wurden bunt und erhielten lange Schleppen. Die lästigen Korsetts verloren gegen Ende des Jahrhunderts an Bedeutung und die Silhouette wurde etwas schlanker. Allerdings gehörte zum perfekten Outfit eine sogenannte „Turnüre“ – eine Art versteifter Petticoat, zu dem oft auch noch ein „Cul de Paris“, eine Art Wattehintern gehörte.

Ohne Hut ging eine Dame nicht aus dem Haus
Must-Haves: Handschuhe und Hüte passend zum Outfit. Abbildung: Wikimedia Commons

Accessoires und Schuhe

Unverzichtbare Accessoires waren im 19. Jahrhundert Handschuhe und Hüte – ohne diese konnte eine Dame nicht aus dem Haus gehen. Die Accessoires mussten natürlich zum Outfit passen.

Bei den Schuhen hatten die Damen wenig Auswahl, sie waren meist schwarz oder weiss und aus Satin. Erst gegen Ende des Jahrhunderts bekamen die Schuhe kleine Absätze, vorher waren sie flach. Zu dieser Zeit wurde das Schuhwerk dann auch farbig.

Make-Up

Auf Make-Up wurde zu Zeiten Queen Victorias wenig Wert gelegt, hier ging man eher dezent vor. Üppige Farben überließ man eher den Künstlerinnen oder den Vertreterinnen des horizontalen Gewerbes.

Der Petticoat: Vom Unterrock zum Klassiker der 50er-Jahre

Interessant ist, dass der Petticoat zwar als Unterkleid aus der Mode kam, aber seit den 50er-Jahren zu einem Modeklassiker wurde. Kleider mit den weit schwingenden Röcken passten perfekt zur Rock’n Roll-Musik. Sie tragen sich einfach wunderbar, betonen eine schmale Taille und unter den weiten Röcken lässt sich das eine oder andere Pölsterchen verstecken. Es macht einfach großen Spaß, sie zu tragen. Bei Baronissima gibt es mehrere Modelle des Klassikers – schöne Kleider mit weiten Röcken – in einer kurzen oder in langen Varianten – einfach mal im Shop stöbern!

 

 

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