Frauen, die Geschichte schrieben: Maria Theresia von Österreich

Andreas Møller: das Mädchen Maria Theresia, via Wikimedia Commons
Andreas Møller: das Mädchen Maria Theresia, via Wikimedia Commons

Im Laufe der Geschichte haben Frauen meist keine große Rolle gespielt oder sie sind in Vergessenheit geraten. Oft wurden sie aus dynastischen Gründen verheiratet. Aber selbst an der Macht waren nur wenige. Eine Ausnahme war Erzherzogin Maria Theresia Walburga Amalia Christina von Österreich.

Regentin mit einer cleveren Heiratspolitik

Sie kämpfte für ihre Regentschaft und sorgte dafür, dass die Habsburger Dynastie ihre Machtposition nicht verlor. Ihrer Heiratspolitik ist es zu verdanken, dass das Geschlecht in ganz Europa vertreten war. Geboren wurde die edle Dame als zweites Kind von Kaiser Karl VI. und seiner Gattin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel am 13. Mai 1717.

Somit hätte Maria Theresia im Jahr 2018 ihren 300. Geburtstag gefeiert. Grund genug für das Schloss Schönbrunn in Wien, ein Maria Theresia-Jahr auszurufen. Die Grande Dame wurde entsprechend gefeiert: 300 Jahre Maria Theresia: Strategin – Mutter – Reformerin.

Ihr Vater war wohl sein ganzes Leben unglücklich, keinen Sohn als Erben zu haben. Ihr älterer Bruder Leopold Johann wurde 1716 geboren und starb noch im selben Jahr. Daher wurde Maria Theresa von Kind an auf ihre Rolle als Regentin vorbereitet. In Ermangelung des männlichen Nachfolgers, nahm sie bereits mit 14 Jahren an politischen Zusammenkünften teil.

Eine Tochter als Thronfolgerin!

Die beiden Ehegatten
Maria Theresia + Franz Stephan, Gemälde von Peter Kobler von Ehrensorg, via Wikimedia Commons

Der Kaiser änderte zwar die Rahmenbedingungen und ermöglichte es, dass seine Tochter ihm auf den Thron folgen konnte. Aber so richtig überzeugt war der Vater nicht, dass Maria Theresa seine Nachfolge antreten konnte. Daher wurde ein Ehemann gesucht. Wobei halb Europa ein Mitspracherecht beanspruchte.

Nicht einfach: den passenden Gemahl zu finden

Verschiedene Heiratskandidaten wurden diskutiert. Wie zum Beispiel Philipp V. von Spanien oder der spätere Karl III. von Spanien. Aber das passte Großbritannien und den Niederlande nicht ins Konzept. Beide Staaten befürchteten eine Störung des Machtgleichgewichts. Sie wollten deswegen nur einen Gatten aus einem weniger einflussreichen Haus akzeptieren.

Am Ende setzte sich Maria Theresia durch. Sie entschied sich für Franz Stephan von Lothringen, der schon lange am Wiener Hof lebte. Maria Theresia kannte und mochte ihn. Und so wurde am 12. Februar 1736 geheiratet. Um Europa im Gleichgewicht zu halten, musste Franz Stephan auf seine Herzogtümer Lothringen und Bar verzichten. Er behielt aber die Anwartschaft auf das Großherzogtum Toskana. Es würde nach dem zu erwartenden Aussterben der Medici frei werden.

Das Paar hatte 16 Nachkommen
Das Monarchenpaar mit der Kinderschar ca. 1755, Martin van Meytens via Wikimedia Commons

Glückliche Ehe mit 16 Kindern

Die Ehe der beiden war durchaus glücklich. Obwohl Franz Stephan einige Affären hatte. Maria Theresa und ihr Gatte hatten beachtliche 16 Nachkommen. Darunter waren die zukünftigen Kaiser Joseph II. und Leopold II., der Kölner Kurfürst Maximilian Franz.  Sowie die Tochter Marie Antoinette, die später durch ihre Heirat mit Ludwig XVI. Königin von Frankreich wurde.

Maria Theresia war eine liebevolle, aber strenge Mutter. Sie legte  sogar das Schulprogramm fest. Auf dem Stundenplan standen zum Beispiel Tanzstunden, Theateraufführungen, Geschichte, Malen und Staatskunde. Sowie ein wenig Mathematik und Fremdsprachen. Die Mädchen wurden zudem in Handarbeiten und in der Konversation unterrichtet.

Nach dem Tode ihres Vaters im Jahre 1740 musste Maria Theresia trotz der gesetzlichen Regelungen um den Thron kämpfen. Vor allem die bayrischen Wittelsbacher meldeten Ansprüche an. Das sächsische Königshaus beanspruchte Böhmen für sich. Und der preussische König verlangte Teile Schlesiens. Lediglich Großbritannien und die Niederlande unterstützten die junge Thronfolgerin.

Nach verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen gelang ihr 1745 schliesslich ein politischer Erfolg. Ihr Gemahl wurde zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt. Und sie nannte sich fortan „Römische Kaiserin“.

Etwas fülliger: Maria Theresia
Maria Theresia in einem türkischen Kostüm 1744, Martin van Meytens via Wikimedia Commons

Auf den Schlachtfeldern hatte sie weniger Glück und Erfolg. Sie unterzeichnete 1748 den Frieden von Aachen. Durch diesen gingen den Habsburgern Schlesien und die Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla verloren. Aber sie blieb die rechtmäßige Thronerbin!

Erfolgreiche Reformerin

Trotz aller außenpolitischen Herausforderungen initiierte Maria Theresia auch im Inneren viele Neuerungen. Sie wurden unter dem Namen „Theresianische Staatsreform“ bekannt.

Die Reformen betrafen die Verwaltung, das Militär und die Bildungspolitik. Alles passierte im Geiste des aufgeklärten Absolutismus. Unter ihrer Regierung wurde die Bedeutung der Stände und das Mitspracherecht des Adels immer weiter eingeschränkt. Sie strebte einen zentralen, absolutistisch regierten Staatsapparat an. Und das mit gutem Grund.

Da die Regentin nach ihren kriegerischen Auseinandersetzungen pleite war, wurde das Steuerwesen reformiert. Die neu eingeführte allgemeine Steuerpflicht galt auch für den Adel und die Geistlichkeit. Die Steuereinnahmen erlaubten ihr, die Stärke ihrer Armee zu verdoppeln. Sie verdankte dieser Heeresreform einige erfolgreiche Schlachten.

Eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik

Ein weiterer wichtiger Aspekt war eine florierende Wirtschaft. Die ja wiederum zusätzliche Steuereinnahmen mit sich brachte. Neue Manufakturen auf dem Land wurden gefördert. Und in Böhmen und Mähren entwickelte sich eine erfolgreiche Textilproduktion.

Viele Hürden, die einem Wirtschaftswachstum im Wege standen, wurden abgeschafft. So wurden etwa die Zünfte und die Zollbestimmungen angepasst. Und die Bestimmungen für die Fronarbeit geändert. Gleichzeitig wurden in den Straßenbau investiert und das Postwesen verbessert.

Es gab Komissionen, die sich mit der Umsiedelung in bevölkerungsarme Landstriche beschäftigten. Um auch so wiederum das Wirtschaftswachstum zu unterstützen. Aber auch um die Religion und die guten Sitten war die Monarchin besorgt. So wurde eine Keuschheitskommission gegründet und Nicht-Katholiken wurden von ihr strikt abgelehnt.

Maria Theresia in einem prächtigen Kleid
Die Kaiserin in großer Robe 1752-53, Martin van Meytens, via Wikimedia Commons

Gehasst: Friedrich II., König von Preussen

Der preußische König war der Feind Nr. 1 für Maria Theresia. Und sie sprach von ihm als dem „Monstrum“ und „elenden König.“

Vor diesem Hintergrund wurde ein Bündnis zwischen Großbritannien und Preußen argwöhnisch beobachtet. Und man versuchte, sich Frankreich wieder anzunähern. Teil der Beziehungspflege war die Vermählung von Marie Antoinette mit dem französischen Thronerben. Es wurde keine glückliche Liaison, da diese Tochter später auf dem Schafott der französischen Revolution sterben sollte. 

Wichtiger Teil der Bündnispolitik waren für Maria Theresia die vorteilhaften Vermählungen ihrer Kinder. Diese hatten dabei keine eigene Meinung. Sie durften sich ihre Partner nicht aussuchen und mussten sich dem Willen der Matriarchin unterordnen. Auch hier dachte sie stets an die feindlichen Preußen. Und sie konzentrierte sich bei ihren Planungen auf die in Frankreich, Spanien, Neapel-Sizilien und Parma regierenden Bourbonen.

Die erste arrangierte Hochzeit fand zwischen ihrem ältesten Sohn, Erzherzog Joseph, dem späteren Kaiser Joseph II. mit Maria Isabella von Bourbon-Parma statt. Zu den weiteren Ehepartnern ihrer Kinder zählten Prinzessin Maria Ludovika von Spanien und Herzogin Beatrix von Modena-Este.

Bei den Töchtern gestaltete sich der Prozess etwas schwieriger. Die älteste Tochter war von schlechter Gesundheit und sie blieb daher unverheiratet.

Schicksalhafte Verbindungen mit Frankreich

Die junge Marie Antoinette
Martin van Meytens: Marie-Antoinette im Alter von 12 Jahren, via Wikimedia Commons

Dann erkrankte eine Tochter an Pocken. Kurz vor ihrer Vermählung mit dem französischen König Ludwig XV.. Erzherzogin Marie Christine von Österreich durfte sich als einzige ihren Ehemann, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, selbst auswählen. Anders erging es Maria Amalia von Österreich. Sie wurde trotz heftigem Widerstand mit Herzog Ferdinand I. von Bourbon-Parma verheiratet. Zwei weitere Töchter erkrankten ebenfalls an den Pocken. Sie fielen dadurch für die Heiratspläne aus. Daher heiratete Maria Karolina König Ferdinand I. von Neapel-Sizilien.

Das ehrgeizigste Projekt aber war wie bereits erwähnt die Ehe von Erzherzogin Maria Antonia von Österreich mit dem späteren König Ludwig XVI. von Frankreich. Das arme Mädchen wurde mit 14 Jahren auf die Reise geschickt. Sie musste an der Grenze ihr Gefolge und sogar ihre Kleidung zurück lassen.

Traurige Jahre nach dem Tod des Gatten

Maria Theresia war untröstlich, als im Jahre 1765 ihr geliebter Gatte starb. Sie trug nach seinem Tode nur noch schwarze Witwentracht.

Nach dem Tod des Gatten nur noch in Schwarz
Die Kaiserin in Witwentracht, ca. 1772, Anton von Maron, via Wikimedia Commons

Mit den politischen Zielen ihres Sohnes Joseph, der die Nachfolge des Vaters als Kaiser antrat und ihr Mitregent wurde, war die Monarchin nicht einverstanden. Ihre Vorstellungen, wie das Land zu regieren sei, lagen stark auseinander. Sie lehnte die Reformpolitik des Sohnes ab.

So kann man davon ausgehen, dass ihre letzten Jahre nicht besonders glücklich waren. Sie hat die Habsburger vor allem durch ihre Heiratspolitik an der Macht gehalten. Sie sorgte so für starke Bündnispartner. Aber sie musste doch auch viele Niederlagen und Verluste verkraften.

Den Tod ihrer Tochter auf dem Pariser Schafott musste sie nicht mehr erleben. Sie verstarb im Jahre 1780.

Im Tod vereint

Begraben ist sie in der Kapuzinergruft im Wiener Stephansdom neben ihrem geliebten Gemahl.

Wer weiß, wie sich Europa ohne ihr Eingreifen und ohne ihre diplomatischen Schachzüge entwickelt hätte.

Gemeinsam in Wien begraben
Der Doppelsarkophag im Stephansdom, mit Dank an © Bwag/Wikimedia

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Wunderschöne Stücke aus dem Antikshop der Baronissima:

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Frauen, die Geschichte schrieben: Maria Theresia von Österreich“

  1. Ein kleines Gedicht über die Kaiserin:

    MARIA THERESIA

    Habsburg hatte viele Kaiser,
    Dazu noch eine Kaiserin.
    Die war kein bisschen leiser,
    Nahm keine Kränkung hin.

    Friedrich wollte Schlesien holen,
    Sie hat Widerstand befohlen.
    Schlesien hatte sie verloren,
    Doch ihr Nimbus war geboren.

    In Vierzig Regierungsjahren
    Sicherte sie Habsburgs Macht;
    Trotzte sämtlichen Gefahren,
    Hat manche Reform gebracht.

    Auch Mutter der Völker genannt,
    War sie beliebt im ganzen Land.
    Auf Maria Theresia
    Blickt voller Stolz ganz Austria.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten

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