Gloria Steinem, 1934–2026: Ein Leben für den Feminismus

Gloria Steinem, November 2019 © LBJ Library photo by Jay Godwin
Gloria Steinem, November 2019 © LBJ Library photo by Jay Godwin

Gloria Steinem, Journalistin, Aktivistin und über Jahrzehnte das Gesicht der amerikanischen Frauenbewegung, ist tot. Sie wurde 92 Jahre alt.

Sie starb heute, am 3. September 2026 in ihrem Zuhause in New York, umgeben von Menschen, die sie liebten. Fast ein ganzes Jahrhundert lang hat sie sich nicht damit abgefunden, wie die Welt Frauen behandelte, und dafür gesorgt, dass sich etwas änderte, im Beruf, in der Gesundheitsversorgung, in der Politik.

Noch am 25. März 2026 feierte sie ihren 92. Geburtstag. An diesem Tag kündigte der Verlag Random House ihre Autobiografie „An Unexpected Life“ an, ein Buch, dessen Veröffentlichung sie nun selbst nicht mehr erleben wird. Es soll am 22. September 2026 erscheinen, nur wenige Wochen nach ihrem Tod.

Wie sie zur Stimme einer ganzen Bewegung wurde

Gloria Steinem kam am 25. März 1934 in Toledo, Ohio zur Welt und verbrachte ihre ersten Jahre in einem Wohnwagen, mit dem ihre Eltern durchs Land zogen. Nach der Scheidung ihrer Eltern 1946 kehrte sie mit ihrer Mutter nach Toledo zurück, die unter Depressionen litt, und übernahm früh eine Verantwortung, die für ein Kind zu groß war. Für ihr letztes Schuljahr zog sie zu ihrer Schwester nach Washington.

1956 schloss sie ihr Studium am Smith College ab, einem der renommierten reinen Frauen-Colleges im Nordosten der USA, die als „Seven Sisters“ bekannt sind, das weibliche Gegenstück zur männlich dominierten Ivy League. Anschließend ging sie mit einem Stipendium nach Indien, wo sie an gewaltfreien Protesten gegen die Regierungspolitik teilnahm. Kurz zuvor, mit 22 Jahren, ließ sie in London eine damals illegale Abtreibung vornehmen. Öffentlich sprach sie erst 1969 darüber. Ihr Buch „My Life on the Road“ widmete sie später der Person, die ihr damals half. Zurück in New York begann sie 1960 als Journalistin zu arbeiten, in einer Branche, die Frauen wenig zutraute.

1963 nahm sie unter falschem Namen eine Stelle als Playboy Bunny im New Yorker Playboy Club an, um die Arbeitsbedingungen der Frauen dort zu recherchieren. Elf Tage lang trug sie ein zu enges Kostüm und stand stundenlang auf hohen Absätzen, während betrunkene Gäste sie ständig belästigten. Ihr zweiteiliger Enthüllungsartikel „A Bunny’s Tale“ erschien im Magazin Show und deckte die niedrigen Löhne und die gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen der Bunnies auf. Der Artikel machte sie über Nacht bekannt, drohte sie zugleich aber auf Boulevardthemen festzulegen.

Sechs Jahre später bewies sie, dass sie mehr konnte als eine gute Geschichte schreiben. Der Artikel „After Black Power, Women’s Liberation“ aus dem Jahr 1969 brachte ihr landesweite Aufmerksamkeit in der Frauenbewegung und machte sie zu einer ihrer Anführerinnen.

Ihre wichtigsten Stationen im Überblick:

  • 1971: Sie war Mitgründerin des National Women’s Political Caucus für Frauen in politischen Ämtern
  • 1971: Sie war Mitgründerin der Women’s Action Alliance für feministische Gesetzgebung
  • 1972: Die erste eigenständige Ausgabe der Ms. Magazine erschien, der ersten großen feministischen Zeitschrift der USA
  • 1992: Sie veröffentlichte „Revolution from Within„, ein Buch über Selbstwert
  • 2005: Sie gründete das Women’s Media Center gemeinsam mit Jane Fonda und Robin Morgan
  • 2013: Sie erhielt die Presidential Medal of Freedom
  • 2015: Sie veröffentlichte die Memoiren „My Life on the Road

Die Stimme einer Bewegung

Weit über feministische Fachkreise hinaus zitieren Menschen ihre Worte bis heute.

A feminist is anyone who recognizes the equality and full humanity of women and men.“ (Feminist*in ist jeder Mensch, der die Gleichheit und volle Menschlichkeit von Frauen und Männern anerkennt.)

Power can be taken, but not given.“ (Macht kann man sich nehmen, aber nicht geben lassen.)

The truth will set you free, but first it will piss you off.“ (Die Wahrheit macht Sie frei, aber vorher macht sie Sie wütend.) Diesen Satz nutzte Steinem so oft, dass Random House 2019 ein Buch mit ihren Zitaten unter genau diesem Titel veröffentlichte.

Woran wir uns erinnern werden

Steinem gab der amerikanischen Frauenbewegung über Jahrzehnte ein Gesicht, zu einer Zeit, in der Frauenrechte noch als Nischenthema galten. Die Organisationen, die sie mitgründete, bestehen weiter. Als der National Women’s Political Caucus 1971 startete, saßen 15 Frauen im US-Kongress, 363 in Landesparlamenten und sieben Frauen waren Bürgermeisterinnen. Heute sind es 150, 2.476 und 428.

In ihren letzten Jahren öffnete sie ihr Wohnzimmer in New York für sogenannte Talking Circles, große Gesprächsrunden mit Hunderten Gästen. Sie bestand darauf, dass diese Tradition auch nach ihrem Tod weitergeht.

Ihre Stimme wird in den Debatten fehlen, die sie bis jetzt mitgeprägt hat, von reproduktiven Rechten bis zur politischen Teilhabe von Frauen.

Ihre Familie bittet anstelle von Blumen um Spenden an Gloria’s Foundation.

Wie alt wurde Gloria Steinem? Gloria Steinem wurde 92 Jahre alt. Sie kam am 25. März 1934 in Toledo, Ohio zur Welt und starb am 3. September 2026 in New York.

Woran ist Gloria Steinem gestorben? Ihre Familie hat keine Todesursache genannt. Laut der offiziellen Mitteilung starb sie friedlich in ihrem Zuhause in New York, umgeben von Menschen, die sie liebten.

Wann erscheint Gloria Steinems Autobiografie „An Unexpected Life“? Das Buch erscheint am 22. September 2026 bei Random House, wenige Wochen nach ihrem Tod.

Wofür ist Gloria Steinem bekannt? Sie gilt als eine der zentralen Figuren der amerikanischen Frauenbewegung. Bekannt wurde sie durch den Enthüllungsartikel „A Bunny’s Tale“ 1963, die Mitgründung der Ms. Magazine 1972 und Jahrzehnte politischen Aktivismus für Gleichberechtigung.

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