Historische Frauenschicksale: Eleonore von Aquitanien – die Powerfrau des Mittelalters

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Grabmal von Eleonore d’Aquitaine

Éléonore d’Aquitaine war eine der bedeutendsten und einflußreichsten Frauen des Mittelalters und hat sich nicht mit der traditionellen Frauenrolle der damaligen Zeit begnügt.

Sie hat einen sehr ungewöhnlichen Lebenslauf und wurde durch ihre beiden Ehen erst Königin von Frankreich und danach Königin von England. Und sie war die Mutter von Richard Löwenherz und Johann ohne Land.

Eleonore wurde vermutlich um das Jahr 1122 in der Nähe von Bordeaux geboren und stammte aus der einflußreichen Dynastie der Herzöge von Aquitanien, die damals über das größte Herzogtum in Frankreich herrschten. Zu ihren Vorfahren gehören die karolingischen Könige von Aquitanien.

Königin von Frankreich und England

Um den Einfluß der Familie zu stärken, wurde die Ehe von Eleonare mit dem französischen Thronfolger Ludwig geschlossen. Und dank dieser Verbindung wurde sie im Jahr 1137 zur Königin von Frankreich.

Allerdings war es keine glückliche Beziehung, zwischen dem frommen Ludwig VII. und der selbstbewußten Eleonore. Und nach der Rückkehr von einem Kreuzzug aus dem heiligen Land leitete der König die Auflösung der Ehe ein. Auf einem Konzil am 21. März 1152 wurde das Ende der Verbindung – wegen angeblich zu naher Verwandschaft – beschlossen. Es sollte sich im Laufe der Geschichte allerdings zeigen, dass dieses Ereignis zu heftigen Verwicklungen zwischen Frankreich und England führen sollte, die mehr als 300 Jahre andauern sollten.

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Die letzte Ruhestätte von Eleonore ist die Abtei Fontevraud

Denn: Nach ihrer Trennung von Ludwig VII. heiratete Eleonore erneut. Den jungen Heinrich Plantagenet, Herzog von Anjou und der Normandie.

Der junge Gemahl hatte Aussichten auf den englischen Thron und tatsächlich wurde Eleonore dank ihm wenige Jahre später zur Königin von England gekrönt.

Auch in dieser Beziehung spielten die Besitztümer, die Eleonore in die Ehe einbrachte, eine wichtige Rolle. Und es war das Bestreben ihres Gatten, die Ländereien zu konsoldieren und zu einem Herrschaftsgebiet zu vereinen.

Allerdings: Auch hier zeigte sich wieder, dass sich Eleonore nicht damit zufrieden gab, die Rolle als Ehefrau zu spielen. Sie sah sich als Herrscherin über ihr eigenes Herzogtum und wollte es nicht zulassen, dass ihre Ländereien ihrer Identität beraubt werden sollten, um dem Herrschaftbereich ihres Mannes einverleibt zu werden.

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Eleonore nebem ihrem zweiten Ehemann Henry II.

Dieser Anspruch Eleonores, auf einen eigenen Machtbereich, führte auch in dieser Beziehung wieder zu Konflikten.

Die Auseinandersetzungen gingen sogar so weit, dass Eleonore sich in den Jahren 1173/1174 dem Kampf ihrer drei Söhne gegen den Vater anschloß und sie von Heinrich schließlich für 15 Jahre unter Hausarrest gestellt wurde.

(Das erinnert ein bisschen an das Schicksal der Gräfin von Cosel, die von August dem Starken auf die Burg Stolpen verbannt wurde und dort nach 46 Jahren starb – auch über diese Dame haben wir in unserem Blog schon berichtet. Hier geht es zum Beitrag über die Gräfin Cosel)

Nach dem Tod ihres Gatten im Jahr 1189 übernahmen ihre Söhne Richard Löwenherz (der aus der Robin Hood Legende) und Johann Ohneland die Herrschaft und das ermöglichte ihr, wieder eine bedeutende politische Rolle zu spielen.

Eleonare war eine außergewöhnliche Persönlichkeit und in der damaligen Zeit entstanden viele Gerüchte, Mythen und Legenden rund um diese bemerkenswerte Frau. So wurde ihr eine Affäre mit einem Onkel unterstellt und viele Jahre lang galt sie als intrigant und machthungrig.

Mittlerweile hat sich das Image der starken Lady allerdings stark verändert und sie wird heute auch als Kunstmäzenin verehrt und soll viele Künstler, Dichter und Minnesänger unterstützt haben.

Eleonore und Hollywood

Zu diesem neuen Bild von Eleonore hat nicht zuletzt der Film „Löwe im Winter“ beigetragen, mit Peter O’Toole und der wunderbaren Katharine Hepburn in den Hauptrollen. Für ihre Darstellung der Eleonore erhielt Katharine Hepburn einen der insgesamt 4 Oscars in ihrer Karriere.

Die Geschichte wurde im Jahr 2004 neuverfilmt, dieses Mal mit einer grandiosen Glenn Close und Patrick Stewart.

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Abteikirche von Fontvraud

Wer Eleonore d’Aquitaine tatsächlich war? Das wird sich aufgrund mangelnder Quellen aus der Zeit des Mittelalters vermutlich nicht mehr herausfinden lassen. Sicherlich war sie für die damalige Zeit eine höchst ungewöhnliche, starke Frau.

Ihr Schicksal fasziniert auch heute noch viele Menschen, was man nicht zuletzt an den vielen Besuchern sehen kann, die jedes Jahr zu ihrem Grabmal in der Kirche des Klosters Fontevraud pilgern. Hier verbrachte die Grande Dame die letzten Tage ihres Lebens, bevor sie am 1. April 1204 verstorben ist. In ihrer Nähe liegen auch ihr zweiter Ehemann, Henry II., König von England, und ihr Sohn Richard Löwenherz begraben.

Auf jeden Fall war Eleonore eine Persönglichkeiten mit vielen Facettten und ist eine der bemerkenswertesten Frauengestalten der Geschichte.

Die Fotos aus unserem Beitrag stammen von der Webseite burgen.de

 

 

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