leia_barock_4Heute stellen wir eine Grande Dame der Geschichte vor, die ein bemerkenswertes Schicksal erlebt hat: Anna Constantia Reichsgräfin zu Cosel. Sie wurde am 17. Oktober 1680 geboren und starb am 31. März 1765 – im damals sehr stolzen Alter von 85 Jahren. Besonders schockierend: sie fand ihrenTod nach 49 Jahren Gefangenschaft auf der Burg Stolpen.

Zu ihrer Zeit war sie eine der bekanntesten Mätressen von August dem Starken und eine der mächtigsten Frauen an seinem Hof. Ihr Schicksal war geprägt von einem glänzenden Aufstieg, dem Leben an der Seite eines mächtigen Königs mit höfischem Gepränge und einem unglaublich tiefem Absturz.

Aber der Reihe nach: geboren wurde Anna Constantia von Brockdorff auf einem Gut in Holstein. Ihr Vater war der Ritter von Brockdorff und ihre Familie gehörte zu den ältesten Adelsfamilien in Holstein. Ihre Mutter, Anna Margarethe Marselis, stammte „nur“ aus einem Hamburger Kaufmannsfamilie, weshalb die Ehe der Eltern als nicht standesgemäß galt.

Frauen im Barock

Anna Constantia wuchs in der Zeit des Barocks auf, zu der auf die Ausbildung von Mädchen noch nicht viel Gewicht gelegt wurde. Aber schon hier wurde der Grundstein für den späteren Aufstieg zur Gräfin Cosel gesetzt, denn auf die Studien des jungen Mädchens wurde sehr wohl gesorgt. Sie lernte mehrere Sprachen und wurde in Mathematik und in klassischer Bildung unterrichtet. Für ein Mädchen soll sie sich auch sehr gut mit Waffen ausgekannt haben. Darüber hinaus war sie eine gute Reiterin.

Um ihr eine höfische Ausbildung zu ermöglichen, wurde sie von ihren Eltern an den Hof nach Schloss Gottorf bei Schleswig geschickt, wo sie ein Hoffräulien der Tochter des Herzogs wurde. Sie begleitete diese an die Welfen-Residenz nach Wolfenbüttel, wurde dort schwanger und hat im Jahr 1702, mit 22 Jahren, ein Kind geboren. Als Folge wird sie vom Hof verbannt und zurück zu ihren Eltern geschickt.Historische Frauenfiguren

Trotz dieses Schicksalsschlages hielt Adolph Magnus von Hoym um ihre Hand an und heiratete sie im Jahr 1703. Die beiden Ehepartner trennten 12 Jahre und vielleicht war das einer der Gründe, warum sich der Gatte bereits ein Jahr später wieder von seiner „herrschsüchtigen und hinterhältigen“ Frau trennen wollte. Es wird heute auch vermutet, dass Anna Constantia nichts von der Geburt des unehelichen Kindes erzählt hatte. Jedenfalls wurden die Eheleute im Jahr 1706 bereits wieder geschieden.

Am Sächsischen Hof

Hier kommt August der Starke ins Spiel. Er bereits 2 Jahre zuvor war er auf Anna Constantia aufmerksam geworden und holte sie nach ihrer Scheidung – trotz der Warnungen ihres Ex-Mannes – an seinen Hof, um die Position der Maitresse en titre zu besetzen. Zu der Zeit lebte der König in einer Beziehung mit der Fürstin Teschen und war mit Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth verheiratet.leia_barock_6

August der Starke muss so verliebt gewesen sein, dass er Anna Constantia ein schriftliches Eheversprechen gegeben hat, in dem auch ihre Versorgung geregelt war: Sie sollte jährlich 100.000 Taler erhalten und das Rittergut Pillnitz.

Im Jahr 1706 erhielt die Dame den Titel Reichsgräfin von Kosel und ein angemessenes Heim. Sie residierte in einem Teil des Taschenbergpalais im Türkischen Haus.

Damit festigte sie ihre Stellung am Hof und galt zwar als schön und intelligent, gleichzeitig machte sie sich auch viele Feinde, weil sie intrigant, hochmütig und aufbrausend gewesen sein soll. Sie schenkte dem König drei Kinder.

Mehr und mehr soll sie sich in die Politik am Hofe eingemischt haben und ging sogar so weit, im Ringen um den Königstitel von Polen geheime Dokumente an Gesandte weiter zu geben. Ihr Weitblick und ihre realistische Einschätzung der Situation führten dazu, dass sich August der Starke in seinem Stolz verletzt fühlte und sie gegen eine neue Mätresse austauschte von der er sich auch politische Vorteile versprach. Fortan nahm Maria Magdalena Gräfin Dönhoff diese Postion ein und der König trennte sich schließlich von der eifersüchtigen Anna Constantia.

Verbannung und Gefangenschaft

burgen.de_Burg-Stolpen_039Zunächst verbannte er seine ehemalige Favoritin nach Schloss Pillnitz und schloß später einen Handel mit dem preußischen König ab, um das schriftliche Eheversprechen verschwinden zu lassen. Der Versuch Anna Constantias sich dieses Dokument durch eine Reise nach Berlin zu verschaffen, galt als Desertation und ihr drohte die Hinrichtung. Dieses Schicksal blieb ihr erspart, aber sie wurde am 24. Dezember 1716 gefangen genommen und auf die Burg Stolpen gebracht. (Burg Stolpen auf burgen.de) Zu diesem Zeitpunkt war sie 36 Jahre alt.

Während ihrer 49-jährigen Gefangenschaft auf der Burg konnte sie nach wie vor über ihr Vermögen verfügen und hielt in einem extra für sie hergerichteten Zeughaus Hof. Sie verstarb am 31. März 1765 und in der ehemaligen Burgkapelle findet sich die Grabplatte der Gräfin.

Im Dezember 2015 jährte sich der Todestag der Gräfin Cosel zum 250. Mal und die Burg Stolpen plant in diesem Jahr ein reichhaltiges Jubiläumsprogramm. burgen.de_Burg-Stolpen_036

Unter anderem gibt es eine Ausstellung unter dem Titel „Lebenslänglich Stolpen. Der Mythos Cosel“ zu sehen und es ist eine App geplant, die die Besucher mit dem Schicksal der Gräfin vertraut macht.

Ausserdem können im Johannis- (Cosel-) Turm die ehemaligen Wohnräume der Gräfin besichtigen und eines der wenigen, von ihr erhaltenen Porträts bewundern

Mehr Informationen gibt es auf der Webseite von Burg Stolpen